
Welche weltweiten Veränderungen könnten die größten Auswirkungen auf die Kreislaufwirtschaft haben? Lesen Sie hier unsere Auswahl an Artikeln für April 2022.
Die Vereinten Nationen haben einen „historischen“ Schritt zur Bekämpfung der weltweiten Plastikverschmutzung unternommen. Auf der Umweltversammlung (UNEA) am 2. März unterzeichneten 175 Länder eine Resolution mit dem Ziel, Verhandlungen für ein rechtlich bindendes Abkommen aufzunehmen, das Ende 2024 vorgelegt werden soll.
Das Abkommen soll den vollständigen Lebenszyklus von Plastik abdecken, inklusive Herstellung, Verwendung, Entsorgung und Wiederverwendung, und etwa Höchstgrenzen für Plastikmüll an Land und im Meer umfassen. Außerdem soll durch eine verbesserte internationale Zusammenarbeit bei Forschung und Technik die Entwicklung von wiederverwertbaren und recycelbaren Materialien vorangebracht werden.
Zur Ausarbeitung des Abkommens wurde ein zwischenstaatliches Verhandlungskomitee gegründet. In der Zwischenzeit geht die laufende Arbeit des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) weiter. So werden willige Partner, ob staatlich oder privatwirtschaftlich, weiterhin beim Eindämmen von Einwegkunststoffen und bei der Schaffung einer Kreislaufwirtschaft unterstützt.
Eine neue Studie der Beratung Eunomia, die im Auftrag der Changing Markets Foundations und dem European Environmental Bureau erstellt wurde, untersucht das Potenzial der erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft im Textilbereich. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass dieses Instrument eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Verursacherprinzips spiele und wesentlicher Bestandteil der neuen Textilstrategie der Europäischen Union sein müsse (siehe Artikel vom letzten COMPASS).
Die Studie schlägt vor, die Entsorgungskosten für Textilien zukünftig von den Herstellern und nicht von den Gemeinden tragen zu lassen. Dass ein Teil dieser Kosten über die Produktpreise an den Kunden weitergegeben werde, sei dabei eine Chance, mit der das zentrale Problem adressiert werden könne: der übermäßige Konsum. Die größten Konsumenten, und damit auch Müllverursacher, würden so die Konsequenzen am stärksten spüren und ökonomische Anreize für eine Änderung oder Optimierung ihres Textilkonsums erhalten.
Weitere vorgeschlagene Maßnahmen zielen u.a. auf eine Verringerung des Erwerbs neuer Textilien. Ökologisches Design soll eine Verlängerung der Lebensspanne und Belastbarkeit der Produkte ermöglichen. Ebenfalls soll die Möglichkeit zur Reparatur von Textilien verbessert werden. Schließlich wird auch ein Verbot von der Verwendung besonders besorgniserregender Stoffe in Textilien gefordert.
Die Europäische Union wird ebenfalls aufgerufen, einen Katalog an Definitionen zu erstellen, um die Effektivität der EPR sicherzustellen. Insbesondere solle festgelegt werden, welche Hersteller Teil der EPR sind und wann ein Textil als Abfall zu bewerten ist. Zusätzlich werden eine Meldepflicht und eine gestaffelte Gebührenstruktur gefordert.